Die Namen Franz Schlang und Anton Reichart besitzen unter Forstbesitzern und Holzrückern einen guten Klang. Unmittelbar nach Kriegsende hatten der Maschinenbau-Ingenieur und der Handwerks-Meister im Allgäu einen Betrieb gegründet. Bereits 1946 entstand mit der W1 die erste Universal-Winde zum Anbau am Schlepperheck. Rasch erarbeiteten sich die robust konstruierten Aggregate im harten täglichen Einsatz Anerkennung und einen guten Ruf (zur Firmen-und Windengeschichte siehe SPo 5/2016 und Traktor Spezial 4/2016).
Schlang & Reichart gibt es noch heute seit 2013 gehört man zur Pfanzelt Maschinenbau GmbH. Paul Pfanzelt, Spezialist für Forst-, Kommunal- und Sondermaschinen, übernahm damals die gesamte Belegschaft, das Produktprogramm, Ersatzteilversorgung und Kundendienst. Vom Standort Rettenbach aus, bei Marktoberdorf, vertreibt Schlang & Reichart heute ein eigenes Seilwinden-Programm sowie Rücke- und Krananhänger und Forstschutzausrüstungen.
Nie verlor das Unternehmen die älteren Winden aus den Augen. Im Archiv finden sich Unterlagen zu den gängigen Typen von Konstruktionszeichnungen bis zu Reparaturanleitungen. Immer wieder nachgefragt werden Teile zu den ab 1968 schrittweise mit hydraulischer Schaltung ausgestatteten Seilwinden und dem ab 1974 komplett erneuerten Programm. Populär sind etwa die Zwillings-Seilwinden 240 und 260 mit einer mittleren Zugkraft von 2 x 4 bzw. 2 x 6 Tonnen. Mit diesen Maschinen debütierte neue Technik wie Lamellenkupplungen und Lamellenbremsen. Darauf aufbauend entwickelte Schlang & Reichart ein neues, erweitertes Programm. Alle Aggregate, egal ob für Dreipunkt- ode Festanbau, ob Eintrommel- oder Zwillings-Maschinen, besaßen einen separaten Ölkreislauf mit eigener Pumpe und eigenem Tank - und arbeiteten unabhängig von der Schlepperhydraulik. Geänderte Typenbezeichnungen im 1974er Typenprogramm dokumentieren die Umstellung auf Angabe der maximalen Nutzlast: aus den Typen 240/260 beispielsweise wurden die Modelle 250/270. Gut nachgefragt wurden auch die 5-Tonnen-Eintrommel-Winden 510/511 oder der Typ 710.
Vieles ist für die gängigen Aggregate noch lieferbar - etwa Kupplungsnaben und Kupplungslamellen, Trommelzapfen oder Steuerblöcke. Winkelgehäuse für die Pumpenantriebe werden ebenfalls vorgehalten und natürlich die beeindruckenden Hauptwellen der Winden. Da viele Ersatzteile in der aktuellen Fertigung nicht mehr verwendet werden, hat man für die älteren Windentypen ein separates Hochlager angelegt. Von hier aus werden Reparaturen im hauseigenen Sondermaschinenbau versorgt und der Versand an Händler abgewickelt.
"Bei uns rufen auch Kunden an, die sich einen gebrauchten Forstschlepper mit S & R-Ausrüstung gekauft haben", berichtet Kundendienstleiter Karl Müller. Die Maschine kann dann zu einem vereinbarten Termin im Werk in Rettenbach inspiziert werden. Gegebenenfalls werden Seilwinden auch revidiert. Den Hauptanteil macht aber der Versand von Ersatzteilen und Werkstattliteratur aus. Der technische Service ist telefonisch und per Email erreichbar.
Auf der Website www.schlang-reichart.de sind darüber hinaus alle Vertriebspartner und Stützpunkthändler gelistet, darunter der langjährige S & R-Spezialist Georg Riesch in Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. „ Als erster Kontakt empfiehlt sich der Land- und Forstmaschinenhändler, aber wir sind auch direkt erreichbar, gerade wenn kein geeigneter Betrieb in der Nähe des Kunden liegt", so Müller. Der Kundendienst-Leiter besitzt übrigens einen Schlüter Super 1250V von 1981, und zwar das letzte von 31 gebauten Exemplaren der Bauserie SF 6900/1258. ,,Den hab ich 2009, bereits mit S & R-Ausrüstung, gekauft". Neben der Doppeltrommel-Winde 270 ist auch die originale Bergstütze verbaut. Müller ließ es sich nicht nehmen, das Aggregat seiner „Hobbymaschine" eigenhändig zu zerlegen und zu revidieren.
Gerald Sandrieser

